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Ärzte Zeitung, 24.02.2004
Nach Aufklärungsprojekt
wird Depression ernster genommen
Nürnberger Bündnis
gegen Depression zeigt Wirkung bei Nürnbergs Einwohnern
Weniger Suizide / Bündnis
erhielt Hermann-Simon-Preis
MÜNCHEN (sto). Depression
als Krankheit werde von der Nürnberger Bevölkerung nach dem Projekt
Nürnberger Bündnis gegen Depression ernster genommen. Das sagte
Professor Ulrich Hegerl, der als Leiter des Bündnisses kürzlich
den Hermann-Simon-Preis entgegengenommen hat (wir berichteten).
Zudem habe sich die Behandlung
der Patienten verbessert, so Hegerl von der Psychiatrischen Uniklinik München
bei der Verleihung des vom Unternehmen Lundbeck gestifteten Preises. Während
der Laufzeit des Nürnberger Bündnisses gegen Depression hat sich
die Zahl der Suizide und Suizidversuche im Stadtgebiet deutlich verringert.
Ob das allein auf die Aufklärungskampagnen
in den Jahren 2001 und 2002 zurückzuführen ist, läßt
sich nach Angaben von Hegerl allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Denn
über einen längeren Zeitraum betrachtet, schwanken Suizidraten
zum Teil erheblich. Gleichwohl sei es dem Bündnis mit seinen Aufklärungskampagnen
gelungen, die Aufmerksamkeit für die Erkrankung zu stärken.
Im Jahr 2000, vor Beginn
der Öffentlichkeitsarbeit, wurden in Nürnberg 620 Suizide und
Suizidversuche registriert. Diese Zahl sank um 24 Prozent auf 471 im zweiten
Jahr der Aufklärungsaktion, sagte Hegerl. In der Stadt Würzburg,
die als Kontrollregion ausgewählt worden war, wurde im gleichen Zeitraum
ein leichter Anstieg suizidaler Handlungen um knapp acht Prozent registriert.
Aber: In Nürnberg sank
vor allem die Zahl der Suizidversuche. Die Zahl der Suizide nahm nur im
ersten Jahr der Aktion deutlich ab: Im Jahr 2000 nahmen sich 100 Menschen
das Leben, 2001 starben 75 Menschen durch Suizid, und 2002 waren es 89.
Die häufigsten Suizid-Methoden seien Erschießen, Erhängen,
Erdrosseln, Ertrinken, Überrollen und Sprung aus der Höhe, so
Hegerl. Auf diese Methoden entfallen drei Viertel aller Suizide. Bei den
Suizidversuchen steht die Überdosierung von Medikamenten mit Abstand
an der Spitze.