Forschung
aktuell
BERLIN (ene). Viele Menschen
mit Depressionen wünschen keine ärztliche Behandlung, so das
Ergebnis einer EMNID-Befragung. Dabei könnte eine suffiziente Therapie
die Lebensqualität und Produktivität der Patienten verbessern
und eine Chronifizierung der Erkrankung verhindern.
An der repräsentativen
Umfrage vor einem Jahr nahmen 2224 Menschen in Deutschland teil. Sie wurden
gebeten, anhand einer Liste mit 14 depressiven Symptomen den Schweregrad
ihrer Symptome einzuschätzen. Es wurden Fragen zur Behandlungsmotivation
und zur Behandlung gestellt.
Dr. Michael M. Berner vom
Uniklinikum Freiburg, der die Umfrage begleitet hat, stellte die Ergebnisse
auf einem Symposium des Unternehmens Dr. Willmar Schwabe in Berlin vor.
"Das Ignorieren der eigenen Depressivität auf Seite der Patienten
und die Strategie des Nichtstun auf Seite der Behandler ist im Hinblick
auf die guten Behandlungsmöglichkeiten äußerst bedauerlich."
In Behandlung waren nur
26 Prozent der stark Depressiven
Bei knapp 70 Prozent der
Befragten ergab sich kein Befund. Für etwa 17 Prozent ergab sich eine
leichte, für knapp acht Prozent eine mittelgradige und für sieben
Prozent eine schwere Belastung durch depressive Symptome.
Von der Gruppe mit starken
Symptomen waren nur 26 Prozent in ärztlicher Behandlung, obwohl der
Behandlungswunsch mit steigendem Schweregrad der Symptome zunimmt. Fast
die Hälfte der stark Betroffenen (46 Prozent) lehnten eine Behandlung
durch den Arzt ab. Die Patienten ohne Therapiewunsch waren überwiegend
Männer, jüngere Betroffene und Menschen mit höherer Bildung.
13 Prozent der Befragten
behandelten sich selbst. Johanniskrautpräparate sind hier Mittel der
Wahl. Bei 57 Prozent der Patienten stellte sich durch eine solche Therapie
eine Besserung der Beschwerden ein. Der Besuch beim Arzt steigerte die
Wahrscheinlichkeit der Selbstmedikation.
Was die Therapiepräferenzen
anging, zeigte sich, daß bei leichten Beschwerden die Akzeptanz für
synthetische Antidepressiva und Psychotherapie gering ist. Die Betroffenen
favorisierten in der gering belasteten Gruppe Entspannungsverfahren und
pflanzliche Arzneimittel.
Je stärker die Symptomatik
ausgeprägt war, desto größer wurde die Akzeptanz für
alle Behandlungsformen. Dennoch war selbst in der am stärksten belasteten
Gruppe die Bereitschaft für eine Psychotherapie mit knapp 18 Prozent
oder die Einnahme chemischer Antidepressiva mit 29 Prozent relativ niedrig.
53 Prozent der stark beeinträchtigten Patienten wünschten sich
eine Therapie mit pflanzlichen Präparaten.
Pflanzliche Mittel sind
guter Einstieg für die Therapie
Für Berner ist die
hohe Akzeptanz pflanzlicher Arzneimittel eine Chance für einen Einstieg
in eine antidepressive Behandlung bei leichter und mittelgradiger Depression.
Er bewertet die Selbstmedikation mit standardisierten Johanniskrautextrakten
(etwa Neuroplant®) in ausreichend hoher Dosierung bei leichten und
mittelgradigen depressiven Verstimmungen als sinnvolle Option.