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Ärzte Zeitung, 11.12.2003
 
Recht viele Depressive behandeln sich selbst
Männer, junge Menschen und Personen mit höherer Bildung lehnen Therapie oft ab / Umfrage vorgestellt

BERLIN (ene). Viele Menschen mit Depressionen wünschen keine ärztliche Behandlung, so das Ergebnis einer EMNID-Befragung. Dabei könnte eine suffiziente Therapie die Lebensqualität und Produktivität der Patienten verbessern und eine Chronifizierung der Erkrankung verhindern.
An der repräsentativen Umfrage vor einem Jahr nahmen 2224 Menschen in Deutschland teil. Sie wurden gebeten, anhand einer Liste mit 14 depressiven Symptomen den Schweregrad ihrer Symptome einzuschätzen. Es wurden Fragen zur Behandlungsmotivation und zur Behandlung gestellt.
Dr. Michael M. Berner vom Uniklinikum Freiburg, der die Umfrage begleitet hat, stellte die Ergebnisse auf einem Symposium des Unternehmens Dr. Willmar Schwabe in Berlin vor. "Das Ignorieren der eigenen Depressivität auf Seite der Patienten und die Strategie des Nichtstun auf Seite der Behandler ist im Hinblick auf die guten Behandlungsmöglichkeiten äußerst bedauerlich."

In Behandlung waren nur 26 Prozent der stark Depressiven
Bei knapp 70 Prozent der Befragten ergab sich kein Befund. Für etwa 17 Prozent ergab sich eine leichte, für knapp acht Prozent eine mittelgradige und für sieben Prozent eine schwere Belastung durch depressive Symptome.
Von der Gruppe mit starken Symptomen waren nur 26 Prozent in ärztlicher Behandlung, obwohl der Behandlungswunsch mit steigendem Schweregrad der Symptome zunimmt. Fast die Hälfte der stark Betroffenen (46 Prozent) lehnten eine Behandlung durch den Arzt ab. Die Patienten ohne Therapiewunsch waren überwiegend Männer, jüngere Betroffene und Menschen mit höherer Bildung.

13 Prozent der Befragten behandelten sich selbst. Johanniskrautpräparate sind hier Mittel der Wahl. Bei 57 Prozent der Patienten stellte sich durch eine solche Therapie eine Besserung der Beschwerden ein. Der Besuch beim Arzt steigerte die Wahrscheinlichkeit der Selbstmedikation.
Was die Therapiepräferenzen anging, zeigte sich, daß bei leichten Beschwerden die Akzeptanz für synthetische Antidepressiva und Psychotherapie gering ist. Die Betroffenen favorisierten in der gering belasteten Gruppe Entspannungsverfahren und pflanzliche Arzneimittel.
Je stärker die Symptomatik ausgeprägt war, desto größer wurde die Akzeptanz für alle Behandlungsformen. Dennoch war selbst in der am stärksten belasteten Gruppe die Bereitschaft für eine Psychotherapie mit knapp 18 Prozent oder die Einnahme chemischer Antidepressiva mit 29 Prozent relativ niedrig. 53 Prozent der stark beeinträchtigten Patienten wünschten sich eine Therapie mit pflanzlichen Präparaten.

Pflanzliche Mittel sind guter Einstieg für die Therapie
Für Berner ist die hohe Akzeptanz pflanzlicher Arzneimittel eine Chance für einen Einstieg in eine antidepressive Behandlung bei leichter und mittelgradiger Depression. Er bewertet die Selbstmedikation mit standardisierten Johanniskrautextrakten (etwa Neuroplant®) in ausreichend hoher Dosierung bei leichten und mittelgradigen depressiven Verstimmungen als sinnvolle Option.
 
 

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