Forschung
aktuell
BERLIN (dpa). Im deutschen
Gesundheitssystem lassen sich nach Ansicht von Fachärzten psychisch
Kranke nicht ausreichend erkennen und behandeln.
"Das Problem wird sich in
den kommenden Jahren verstärken", sagte Professor Mathias Berger,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie
und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. Besonders Depressionen nehmen nach
WHO-Angaben weltweit - auch in Deutschland - zu. Hier seien bei Frauen
seit wenigen Jahren psychische Erkrankungen Hauptursache für Frühverrentungen.
Eine Befragung in Deutschland ergab, daß 49 Prozent der Frauen und 37 Prozent der Männer schon einmal eine psychische Störung hatten, berichtete Berger. Besonders häufig seien Depressionen und Phobien. "Das Gesundheitssystem reagiert darauf nicht", kritisierte Berger.
Professor Jürgen Fritze
aus Frankfurt am Main sagte, daß viele Patienten ihre Depression
"aktiv verstecken". Sie benennten oft andere, meist körperliche Störungen
wie Schlaflosigkeit als Hauptsymptom statt über die Depression zu
reden. Andererseits habe es dank bildgebender Verfahren eine Revolution
im Wissen um die Wirkung von Medikamenten und von psychischen Störungen
gegeben, so Berger auf dem heute endenden DGPPN-Kongreß in Berlin.