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Ärzte Zeitung, 25.01.2002
 
Intensive Suche nach neuen antidepressiv wirkenden Arzneimitteln
Serotoninrezeptoren und Streßachse im Visier der Forscher

BAD BLUMAU (mal). Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) werden von Ärzten und Patienten zunehmend geschätzt: Die Hemmstoffe werden seit Jahren bei Depressionen immer häufiger verordnet. Um die Behandlung dieser Patienten zu verbessern, wird indessen aber auch intensiv an neuen antidepressiv wirksamen Molekülen geforscht. Teilweise greifen sie wie die SSRI in das serotonerge Transmittersystem ein.

Ein Ansatz der Forschungsarbeiten sind dabei Rezeptoren an den Serotonin-freisetzenden Zellen im ZNS, an denen eigentlich das ausgeschüttete Serotonin selbst andockt, um über eine negative Rückkoppelung die Freisetzung weiteren Serotonins zu bremsen. Das hat Dr. Hans Rollema von den in Forschung und Entwicklung bei Pfizer eingebundenen Laboratorien in Groton in den USA bei der von dem Unternehmen veranstalteten ZNS-Akademie in Bad Blumau in der Steiermark berichtet.

Nach Rezeptorblockade wird Serotonin durch Reiz freigesetzt
Würden diese Rezeptoren blockiert, werde bei einem Reiz mehr Serotonin aus den Zellen freigesetzt. Wie bei einer Therapie mit SSRI - dazu gehört etwa Sertralin, von dem Unternehmen als Zoloft® angeboten - sei so mehr Serotonin vorhanden; der Weg, auf dem dies erzielt werde, sei aber ein anderer, so Rollema.
Zielmoleküle außerhalb des serotonergen Systems, denen sich die Wissenschaftler zur Entwicklung neuer Antidepressiva derzeit widmeten, seien der CRF (Corticotropin-Releasing-Factor)-Rezeptor und der NK1 (Neurokinin)-Rezeptor. CRF zum Beispiel sorgt dafür, daß aus der Hypophyse Corticotropin, also ACTH (adrenocorticotropes Hormon) ausgeschüttet wird. 

Und ACTH wiederum bewirkt im Gewebe der Nebennierenrinden die Freisetzung von Kortikosteroiden. Diese Verbindung wird auch als Streßachse bezeichnet und kann bei Patienten mit Depressionen gestört sein.
Als wichtigen Therapie-Fortschritt im Bereich der ZNS-Forschung bei dem Unternehmen wertet Rollema die Entwicklung von Ziprasidon, einem Mittel für Schizophrenie-Patienten "mit einzigartigem pharmakologischen Profil" und mit Effekten sowohl auf die Positiv- wie auch auf die Negativ-Symptomatik.

Therapie führt nicht zur Gewichtszunahme
Ziprasidon zeichne sich nach bisherigen Daten auch dadurch aus, daß die Patienten während einer zehnwöchigen Anwendung des Mittels nicht an Gewicht zunähmen. Das Medikament ist schon in den Vereinigten Staaten und in Schweden im Handel. Das Unternehmen rechnet mit der Zulassung und Einführung des Präparats in Deutschland noch in diesem Halbjahr.
 
 

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