zurück zur HomepageForschung aktuell


 
Ärzte Zeitung, 12.05.2003
 
Bündnis gegen Depressionen zeigt Wirkung
Zahl der Suizide und Suizidversuche um 20 Prozent gesenkt / Unterstützung durch den Bund und das Land Bayern

NÜRNBERG (sto). Jährlich sterben in Deutschland etwa 11 000 Menschen durch Suizid. Durch vielfältigste Aktivitäten kann die Suizidrate deutlich gesenkt werden. Das hat das Nürnberger Bündnis gegen Depressionen im vergangenen Jahr gezeigt. Jetzt soll das Pilotprojekt ausgedehnt werden.
Die in Nürnberg gewonnenen Erfahrungen, das Konzept und die Materialien sollen noch in diesem Jahr in anderen Regionen in Deutschland und in Europa genutzt werden, berichtete der Münchner Psychiater Professor Ulrich Hegerl am Freitag zum Auftakt eines bundesweiten Aktionsprogramms in Nürnberg. In Hamburg-Harburg, Kempten, Erlangen, Lübeck und Regensburg sollen im Herbst Kampagnen für eine bessere Versorgung depressiver Menschen starten. Im Ausland sind Island und der Kanton Zug in der Schweiz Bündnispartner.
Durch eine Schulung von Hausärzten, durch eine intensive Aufklärung der Öffentlichkeit, durch die Einbeziehung vieler Berufsgruppen wie Pfarrer, Lehrer, Altenpflegekräfte und Polizisten sowie durch spezielle Angebote für Betroffene und Angehörige sei es in Nürnberg gelungen, die Zahl der Suizide und Suizidversuche innerhalb eines Jahres um 20 Prozent zu senken, berichtete Hegerl.
Dieser Erfolg habe zu vielen Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet geführt. Die fünf Partnerregionen in Deutschland, die dem Nürnberger Vorbild folgen, seien erst der Anfang, sagte Hegerl. 16 weitere Regionen zeigen Interesse. Darüber hinaus beteiligt sich Bayern mit einem Fortbildungsprogramm für Altenpflegekräfte am Bündnis.
Das Bündnis gegen Depressionen sei eines der wichtigsten Teilprojekte des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität, sagte Bundesfamilienministerin Renate Schmidt. Dabei handelt es sich um ein Großforschungsprojekt, das vom Bund mit insgesamt 13 Millionen Euro gefördert wird. Schmidt hat zusammen mit Bayerns Innenminister Günther Beckstein die Schirmherrschaft übernommen.
 
 

zurück zur Homepage