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Ärzte Zeitung, 14.01.2003
 
Beim Umgang mit depressiven Patienten gilt es, geduldig zu bleiben
Ausbildungsprogramm der WHO soll Hausärzten helfen, besser auf Depressive einzugehen

BERLIN (gvg). Gutgemeinte aber unpassende Ratschläge können bei Gesprächen mit depressiven Patienten mehr schaden als nutzen. Mit einem Ausbildungsprogramm für Hausärzte möchte die WHO helfen, die häufigsten Fehler dabei zu vermeiden.
"Wir Ärzte werden praktisch dazu erzogen, schnelle und knappe Ratschläge zu erteilen", so Dr. Günter Gerhardt, Allgemeinmediziner in einer hessischen Landpraxis. Gerhardt ist Teilnehmer an dem WHO-Ausbildungsprogramm "Mental Disorders in Primary Care", das in Deutschland gerade in einer ambulanten Studie erprobt wird. Auf einer Veranstaltung der Unternehmen Organon und Celltech berichtete er darüber, wie sich seine Strategien im Umgang mit depressiven Patienten durch das Ausbildungsprogramm verändert haben.

"Ein häufiger Fehler ist es, Patienten direkt mit der Verdachtsdiagnose Depression zu konfrontieren", sagte Gerhardt, da sich die Patienten dann häufig nicht ernst genommen fühlten. Stattdessen sei es wichtig, die Beschwerden zu akzeptieren und zu versichern, daß körperliche Beschwerden, etwa Rücken- oder Kopfschmerzen, selbstverständlich abgeklärt werden.
Durch kleine Arbeitsprogramme mit Dingen, die bis zum nächsten Vorstellungstermin erledigt sein sollten, könne der Hausarzt den Patienten helfen, die oft subjektiv empfundenen Problemberge schrittweise abzubauen, so Gerhardt. Überfordernde Ratschläge wie "Suchen Sie sich doch einen anderen Job!" seien dagegen kontraproduktiv. Hilfreich seien häufig Tagespläne, die den Patienten vor Augen führen, wie aktiv sie sind. Denn sowohl Patienten als auch Ärzte unterschätzen in der Regel die oft enormen Aktivitätsreserven von depressiv Erkrankten.

Eines der Geheimnisse im Umgang mit depressiven Patienten sei es, keinerlei Ungeduld zu zeigen und trotzdem zügige Gespräche zu führen. "Klagen Sie nicht über knappe Zeit, legen Sie den Kugelschreiber weg und gucken Sie nicht dauernd auf die Armbanduhr", sagte Gerhardt .
 

 

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