Ärzte Zeitung,
19.07.2001
Sertralin beugt Rückfällen
bei Depressionen vor
In der Sekundärprophylaxe
ist der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Placebo signifikant überlegen
BERLIN (nsi). Der selektive
Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Sertralin eignet sich, um nach erfolgreicher
Behandlung Patienten mit schweren Depressionen vor einem Rückfall
zu schützen. Wenn sie in der Remission den SSRI einnehmen, halbiert
sich ihr Rückfallrisiko innerhalb von eineinhalb Jahren im Vergleich
zu Placebo. Das hat eine große Studie zur Sekundärprophylaxe
von Depressionen ergeben, die erstmals beim 7. Weltkongreß für
Psychiatrie in Berlin vorgestellt
worden ist.
Professor Jean-Pierre Lépine
von der Abteilung für Psychiatrie an der Universität Denis Diderot
in Paris, einer der Leiter der PREVERS-Studie (Prevention of Recurrent
Depression with Sertraline), hat das Design und die Ergebnisse der
klinischen Untersuchung
vorgestellt.
Schwer depressive Patienten
in Remission wurden untersucht
In die erste Phase der Studie
wurden 371 Patienten aufgenommen, die in den vier Jahren davor wenigstens
drei Phasen einer schweren Depression nach den Kriterien des Diagnostic
and Statistical Manual of Mental Disorders IV (DSM IV) erlebt hatten. Sie
waren zu 73 Prozent Frauen, hatten ein durchschnittliches Alter von 45
Jahren,
und der dokumentierte Krankheitsbeginn
lag im Durchschnitt bei 30 Jahren.
Die Probanden hatten für
wenigstens sechs Monate auf Antidepressiva angesprochen, das heißt,
sie durften nur noch maximal zwei von neun Kriterien einer Depression nach
DSM IV erfüllen. Die Remission konnte mit verschiedenen
Antidepressiva, ausgenommen
Sertralin, erreicht worden sein.
In dieser ersten Phase der
Studie erhielten alle Probanden noch einmal für zwei Monate Placebo,
damit sich die Forscher sicher sein konnten, daß eine Remission erzielt
worden war, und um frühe Versager einer sekundären Präventionstherapie
auszuschließen, erläuterte Lépine bei dem von dem Unternehmen
Pfizer unterstützten Symposium.
Nach diesen beiden Monaten
mit Placebo begann die zweite Phase der Studie: 310 der ursprünglich
371 Patienten wurden randomisiert entweder dem Placeboarm oder der Gruppe
mit dem SSRI (in Deutschland vom Unternehmen als Zoloft® angeboten)
zugeteilt. Sie erhielten eine tägliche Dosis von entweder 50 Milligramm
oder 100 Milligramm des Medikaments. Sertralin wurde in dieser Studie also
ausschließlich auf Wirkung und Sicherheit bei der Sekundärprophylaxe
von Depressionen untersucht", sagte der Wissenschaftler.
18 Monate nach Beginn der
zweiten Studienphase hatten 33 Prozent der Patienten in der Placebogruppe
einen Rückfall erlitten, 16 Prozent der Probanden in der Gruppe mit
niedrig dosiertem SSRI (50 Milligramm täglich) und 16 Prozent in der
Gruppe, die 100 Milligramm des Hemmers einmal am Tag erhalten hatten. Die
Unterschiede zwischen Placebo- und Verumgruppen seien statistisch signifikant
gewesen, so Lépine. Sertralin sei in der Studie gut vertragen worden.
Auf dem Weltkongreß
für Biologische Psychiatrie diskutierten mehr als 5000 internationale
Wissenschaftler über biologische Grundlagen seelischer und neurologischer
Erkrankungen sowie über neue Therapiemöglichkeiten. Schwerpunktthemen
waren Depressionen, Schizophrenie, Suchterkrankungen, bipolare Störungen
und degenerative Erkrankungen des Zentralnervensystems.
Risikofaktoren für
einen Rückfall
Ohne Sekundärprophylaxe
haben Patienten mit schweren Depressionen ein hohes Rückfallrisiko,
so Professor Patrice Boyer von der Abteilung für Neurologie und Psychopathologie
am Hôpital La Salpêtrière in Paris. Das Risiko liege
bei 60 Prozent innerhalb von fünf Jahren und zwischen 70 und 80 Prozent
bei zehn Jahren. Besonders gefährdet sind etwa Patienten, die
-
mehr als drei Phasen einer schweren
Depression in den vergangenen fünf Jahren oder mindestens fünf
depressive Phasen im Lauf ihres Lebens hatten,
-
unter länger anhaltenden
oder häufig remittierenden Depressionen leiden oder unter stressverursachenden
Bedingungen leben müssen,
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suizidgefährdet sind, eine
Familienanamnese für depressive Erkrankungen haben und bei denen die
Krankheit in der Kindheit begann,
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Frauen über 30 Jahre sind.
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