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                      Ärzte Zeitung, 08.10.2001
 
 

                      Leitlinien für die Therapie bei bipolaren Störungen vorgestellt

                      Bei klassischer Manie ist Lithium erste Wahl in der Akuttherapie / Bei akuter Depression mit psychotischen Merkmalen
                      wird Valproat empfohlen

                      DRESDEN (mut). Bipolare Erkrankungen haben viele Gesichter: Bei einigen Patienten überwiegen manische
                      Episoden, bei anderen depressive Phasen oder Mischformen. Die Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen hat
                      jetzt Leitlinien vorgestellt, wie manisch-depressive Patienten in unterschiedlichen Phasen behandelt werden
                      können.

                      Eine Akuttherapie bei einer manischen oder depressiven Episode kann mehrere Wochen bis mehrere Monate dauern.
                      Darauf folgt eine Erhaltungstherapie, mit dem Ziel, die Stimmung zu stabilisieren, und schließlich eine Langzeittherapie,
                      die weitere manische oder depressive Phasen verhindern soll. Dies hat Dr. Stephanie Krüger vom Uniklinikum Dresden
                      auf einer Veranstaltung der Gesellschaft in Dresden berichtet.

                      Bei einer klassischen euphorischen Manie sei Lithium erste Wahl in der Akuttherapie, Valproat zweite Wahl. Treten
                      zudem Erregungszustände auf, könne zusätzlich mit Benzodiazepinen oder Antipsychotika behandelt werden.

                      Wenn die Symptome abklingen, könne man die Antipsychotika und Benzodiazepine reduzieren und mit einer
                      Monotherapie mit Lithium oder Valproat fortfahren. Sind Patienten in einem manischen Zustand und haben zusätzlich
                      psychotische Symptome, sei Valproat erste Wahl, zusätzlich müßten Antipsychotika gegeben werden.

                      Bei einer akuten bipolaren Depression ist nach Angaben von Krüger Lithium das Mittel der ersten Wahl, da es
                      antisuizidal und antidepressiv wirke. Wenn die Lithium-Monotherapie nicht ausreiche, müsse auch ein Antidepressivum
                      verabreicht werden. "Das ist aber ein heikles Thema", so Krüger. Gerade trizyklische Antidepressiva wirkten zwar gut,
                      stünden aber in Verdacht, die Stimmung von einer Depression in eine Manie kippen zu lassen. Daher seien
                      Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) besser geeignet.

                      Treten zu der akuten Depression psychotische Merkmale auf, empfiehlt Krüger Valproat als erste Wahl, in Kombination
                      mit SSRI und Antipsychotika. Wenn die akute Therapie abgeschlossen ist, so Krüger, solle die Therapie zunächst
                      beibehalten werden, die dem Patienten gut getan hat. Dabei sollte in den folgenden sechs Monaten die
                      Zusatzmedikation langsam ausgeschlichen werden.

                      "Man sollte sich auch davor hüten, typische Neuroleptika weiter zu verschreiben," Grund seien schwere motorische
                      unerwünschte Wirkungen. Allerdings scheine das atypische Neuroleptikum Olanzapin in Kombination mit Lithium oder
                      Valproat für die Rezidivprophylaxe gut geeignet.

                      Sehr schwierig sei eine Therapie bei Patienten mit manisch-depressiven Mischzuständen, das seien etwa 40 Prozent
                      aller akuten Episoden. Hier empfiehlt die Psychiaterin Valproat als Mittel der ersten Wahl, in Kombination mit
                      Benzodiazepinen und atypischen Neuroleptika, aber keine Antidepressiva, weil sie die Symptomschwankungen noch
                      verstärken können.
   
 

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