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Die Depressionserkrankung
im Überblick
Bei einer Depression leiden die Betroffenen
unter anhaltender deutlich gedrückter, pessimistischer Stimmung und/oder
verlieren das Interesse für die meisten Tätigkeiten. Die Erkrankung
dauert mindestens zwei Wochen. Häufig ist die Depression kombiniert
mit Angst und Hoffnungslosigkeit. Jeder Mensch empfindet neben Freude auch
Traurigkeit. Stimmungsschwankungen, die in der Umgangssprache ebenfalls
als Depressionen bezeichnet werden, gehören zum Leben. Die Depression
im Sinne einer Krankheit ist jedoch nicht nur durch die besondere Schwere
und Dauer von Trauer und Niedergeschlagenheit gekennzeichnet, sie verändert
auch den Betroffenen und kann oft nicht alleine und ohne Hilfe bewältigt
werden.
Symptome
Die Depression ist meist Tagesschwankungen
unterworfen: morgens nach dem Aufwachen ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt
(Morgentief), im Laufe des Tages bessert sie sich, um sich unter Umständen
bis zum Abend weitgehend zu normalisieren.
Der Zustand der depressiven Verstimmung
wird von jedem Betroffenen anders erlebt und beschrieben. Die einen fühlen
sich niedergeschlagen, hoffnungslos und verzweifelt, andere betonen, dass
sie nicht zu echten Gefühlsregungen wie Freude und Trauer fähig
sind (Gefühl der Gefühllosigkeit). Sie fühlen sich "leer"
und innerlich "wie ausgebrannt und abgestorben". Die Betroffenen können
auch sich selbst nicht mehr positiv wahrnehmen und fühlen sich wertlos,
überflüssig oder schuldig. Sie hoffen schon nicht mehr auf eine
Besserung oder auf eine lebenswerte Zukunft. Der eigene Zustand erscheint
aussichtslos. Das Weiterleben ist häufig unerträglich und sinnlos,
so dass einige Betroffene im Selbstmord den letzten Ausweg sehen, auch,
um ihre Angehörigen von sich zu erlösen.
Manche Betroffene nehmen den Zustand der
depressiven Verstimmung jedoch gar nicht wahr, sondern nur körperliche
Beschwerden, die für sie im Vordergrund stehen. Diese Beschwerden
können eine Depression verdecken (maskieren). Diese Depression nennt
man "maskierte" oder "larvierte" Depression (Larve = Maske).
Eine Depression kann von körperlichen
Beschwerden begleitet werden, wie z.B. Verstopfung, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe,
Ohrgeräusche, Übelkeit, Magenbeschwerden, Schwindel und Kreislaufstörungen
sowie Störungen der Sexualfunktion. Auch Appetitmangel und Schlafstörungen
(v.a. frühmorgendliches Aufwachen) sind häufige Symptome bei
Depressionen.
Viele Betroffene empfinden außerdem
Unsicherheit und Angst, v.a. Zukunftsangst. Oft fühlen sich die Patienten
in jeglicher Hinsicht überfordert, z.B. soziale Kontakte aufrechtzuerhalten.
Die Betroffenen verlieren Interesse an alltäglichen Dingen wie Haushaltsführung,
Körperpflege, Beruf, Unternehmungen mit Freunden, Freizeitaktivitäten
und Hobbys. Der Interessenverlust und Rückzug wird von Außenstehenden
oft als Desinteresse oder Ablehnung fehlinterpretiert.
Die Patienten leiden häufig auch an
Energielosigkeit, Ermüdbarkeit und Antriebshemmung. Sie haben keinen
Schwung, sind kaum belastbar und werden schnell müde. Die Betroffenen
wirken verlangsamt, sie zeigen wenig Mimik und Gestik, der Gesichtsausdruck
ist leidend oder starr, die Sprache leise und verzögert. In Extremfällen
kommt es zu einem depressiven Stupor: Der Kranke ist stumm und wie erstarrt,
er reagiert kaum mehr auf Aufforderungen und es ist keine Kontaktaufnahme
mehr möglich. Trotz dieser Antriebshemmung quält oft eine innere
Unruhe viele Patienten, die zu einer Agitiertheit (körperliche Unruhe)
führen kann: die Betroffenen sind erregt, sie ringen die Hände
oder laufen rastlos auf und ab.
Auch das Denken ist erschwert und verlangsamt
(Denkhemmung), komplexe Zusammenhänge können nicht mehr erfasst
werden. Die Gedanken kreisen oft nur um einige wenige Themen, über
die die Patienten dann hauptsächlich grübeln. Daneben sind Störungen
von Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis häufig. Das
Vorhandensein solcher Symptome im Rahmen von Depressionen wird als depressive
Pseudodemenz bezeichnet. Diese Symptome bilden sich vollständig zurück.
Bei schweren Depressionen kann ein Wahn
entstehen. Oft fehlt den Betroffenen die Einsicht, dass sie an einer wirklichen
Krankheit leiden, sie sehen ihren Zustand als Folge persönlichen Verschuldens.
Außer dem Schuldwahn sind noch Verarmungswahn, bei dem der Betroffene
der Ansicht ist, dass er völlig verarmt ist, und hypochondrischer
Wahn, bei dem sich die Betroffenen unheilbar krank und dem Tod geweiht
fühlen, häufig zu beobachten.
Es werden in der Literatur zahlreiche
Formen der Depression je nach der Ausprägung der unten beschriebenen
Symptomatik unterschieden. Hier die wichtigsten Bezeichnungen:
Einteilung
Eine endogene Depression (griechisch: endon
= innen, genes = hervorbringen) ist der klassische Typ der Depression.
Sie ist eine innerhalb des Organismus entstanden, aber nicht durch erkennbare
körperliche Erkrankungen (exogene Depression, z.B. durch eine hormonelle
Veränderung im Wochenbett) oder äußeren seelischen Anlass
(psychogene Depression) begründbar.
Möglich ist auch eine Unterscheidung
z.B. in:
-
Wahnhafte (psychotische) Depressionen bei
Störungen der Realitätswahrnehmung, z.B. Wahn, Halluzinationen,
depressiver Stupor.
-
· Depressionen mit somatischen (körperlichen)
Symptomen: dabei müssen bestimmte Diagnosekriterien vorliegen, z.B.
Interessenverlust, frühmorgendliches Erwachen, Morgentief, psychomotorische
Gehemmtheit oder Agitiertheit, Appetit- und Gewichtsverlust.
· Saisonale Depressionen, die
vor allem im Spätherbst oder Winter auftreten und im Frühjahr
abklingen. Die saisonalen Depressionen, in der Umgangssprache "Winterdepression"
genannt, werden durch mangelnde Lichteinwirkung hervorgerufen. Bei reduziertem
Lichteinfall wird im Körper der Haushalt bestimmter Hormone (z.B.
Melatonin) gestört. Dies bedingt wiederum eine Dysfunktion bestimmter
Botenstoffe (z.B. Seratonin und Noradrenalin). Die Symptome der saisonalen
Depressionen sind z.B. Energielosigkeit, krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis
und Gewichtszunahme. Betroffen sind meistens junge Frauen. Die günstigste
Behandlung ist eine zweistündige tägliche Therapie mit 2000 Lux
hellem Licht.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Depression sind
noch weitgehend unbekannt. Mit dem Vulnerabilitäts-Stress-Konzept
wird versucht, die Entstehung der Depression folgendermaßen zu erklären:
Schon vor dem Ausbruch der Depression kommt es durch verschiedene Erbfaktoren
zu Veränderungen im Gehirn. Diese stellen eine Vulnerabilität,
eine "Anfälligkeit", für die Entstehung einer Depression dar,
lösen sie aber nicht aus. Wenn zusätzlich noch bestimmte Stressfaktoren
als Auslöser auftreten, können diese durch das "anfällige"
Gehirn nicht mehr ausglichen werden. Die Kompensationsmechanismen reichen
nicht mehr aus, um die Krankheit zu verhindern: Es kommt zum Ausbruch der
Depression.
Dass genetische Faktoren eine wichtige
Rolle spielen, zeigen Ergebnisse von verschiedener Zwillings- und Familienstudien.
Bei diesen Studien wurde festgestellt, dass sich in Familien von Patienten,
die an einer Depression leiden, diese Erkrankung häuft. Das Risiko
steigt mit zunehmendem Verwandtschaftsgrad: Ist ein Elternteil an einer
Depression erkrankt, besteht bei den Kindern eine Wahrscheinlichkeit von
10 bis 15% ebenfalls daran zu erkranken. Sind beide Elternteile betroffen,
erhöht sich das Risiko für die Kinder auf 30 bis 40%. Vererbt
wird jedoch nur die Vulnerabilität, eine "Anfälligkeit" für
die Entstehung einer Depression, die zusammen mit bestimmten Stressfaktoren
als Auslösern das Auftreten einer Depression bedingt.
Auslöser einer Depression können
belastende Lebenssituationen sein wie Verluste, Trennungen, Überforderungen,
Streit mit vertrauten, nahestehenden Personen, chronische Stresssituationen
sowie somatische (körperliche) Faktoren wie hormonelle Umstellungen
(z.B. im Wochenbett oder in den Wechseljahren) und körperliche Erkrankungen
(z.B. Schilddrüsenerkrankungen).
Gesicherte Ergebnisse sind, dass bei einer
Depression die Konzentration bestimmter biochemischer Stoffe im Gehirn,
welche die Nervensignale weiterleiten (die sogenannten Neurotransmitter
Serotonin und Noradrenalin) erniedrigt ist und die Empfindlichkeit und
Dichte von Nervenzellen-Rezeptoren (reizaufnehmende Strukturen einer Nervenzelle)
verändert sind.
Auch eine Störung des Hormonhaushalts
wird im Zusammenhang mit Depressionen diskutiert, da bei depressiven Patienten
eine erhöhte Konzentration des körpereigenen Hormons Cortisol
nachgewiesen werden konnte. Dieses Hormon wiederum beeinflusst die Wirkung
des Botenstoffes Serotonin.
Außerdem gibt es verschiedene Theorien
in der Psychologie, die Entstehung der Depression zu erklären, z.B.:
· Das Konzept der gelernten Hilflosigkeit
basiert auf Untersuchungen, bei denen festgestellt wurde, dass Menschen,
die in bestimmten Situationen hilflos sind und diese als unkontrollierbar
erleben, auch für die Zukunft annehmen, in entsprechenden Situationen
keine Kontrolle ausüben zu können. Meist gehen diese Betroffenen
auch davon aus, dass andere Personen diese Situationen bewältigen
können, so dass sie neben der erlebten Hilflosigkeit zusätzlich
das Gefühl entwickeln, persönlich versagt zu haben. Ihr Selbstwertgefühl
nimmt ab und die Gefahr, eine Depression zu entwickeln, steigt.
· Psychoanalytische Theorien gehen
davon aus, dass die Anfälligkeit für eine Depression durch eine
frühkindliche, psychische Fehlentwicklung bedingt wird. Zum einen
soll die schrittweise Abnabelung des Kleinkindes von der Mutter zu schroff
und abrupt verlaufen oder von der Mutter nicht zugelassen worden sein.
Zum anderen wird vermutet, dass entstandene Aggressionen nicht richtig
verarbeitet wurden. Das Kleinkind konnte die Aggression nicht gegen die
Mutter richten, da diese entweder nicht anwesend war oder das Kind übermäßig
umsorgt hat, so dass keine richtige Trennung stattfinden konnte. Das Kind
richtet die Aggression dann gegen sich selbst. Durch die frühkindliche
Fehlentwicklung entsteht außerdem eine besondere Empfindlichkeit
hinsichtlich Verlusten und Trennungen bzw. Zurückweisungen und Ablehnungen.
Die Gefahr, später an einer Depression zu erkranken, liegt darin,
dass die Betroffenen sich gesteigert um Anerkennung bemühen und zu
hohe Anforderungen an sich selbst stellen, die sie unter Umständen
nicht erfüllen können.
· Die Lerntheorie nimmt an, dass
sogenannte Verstärkerverluste entscheidend für das Auftreten
von Depressionen sind. Verstärker sind z.B. Menschen oder Dinge, die
für das Wohlbefinden einer Person bedeutsam sind. Verstärkerverluste
können beispielsweise durch Trennung oder Verarmung eintreten. Ein
Mangel an Verstärkern bzw. ein Verstärkerverlust führt zu
herabgesetzter Aktivität, depressiver Verstimmung und Resignation.
Der Betroffene ist dann oft nicht mehr in der Lage, nach anderen alternativen
Verstärkern für sich zu suchen.
Diagnose
Für die Diagnose einer depressiven
Phase (nach der Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten,
Verletzungen und Todesursachen, Abk.: IKK, englisch: ICD) müssen von
den drei Hauptsymptome (depressive Verstimmung, Verlust von Interesse und
Freude, erhöhte Ermüdbarkeit) wenigstens zwei über mindestens
zwei Wochen bestehen.
Bei leichten depressiven Episoden leiden
die Betroffenen unter mindestens zwei, bei mittelschweren unter drei und
bei schweren unter mindestens vier der weiteren Symptome:
· Verminderte Konzentration und
Aufmerksamkeit
· Vermindertes Selbstwertgefühl
und Selbstvertrauen
· Schuldgefühle und Gefühle
von Wertlosigkeit
· Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
· Selbstmordgedanken oder erfolgte
Selbstverletzung oder Selbstmordhandlungen
· Schlafstörungen
· Verminderter Appetit.
Da Depressionen durch körperliche
Erkrankungen begründbar sein können, ist eine genaue Abklärung
eventueller Erkrankungen wichtig. Außerdem können viele Medikamente
und Drogen Depressionen verursachen, z.B. bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck
und Herzrhythmusstörungen, hormonelle Verhütungsmittel, Antibiotika,
Mittel gegen grünen Star, Beruhigungsmittel und Alkohol.
Behandlung
Ob eine Depression ambulant behandelt
werden kann oder eine Krankenhausaufnahme sinnvoller ist, hängt von
der Schwere der Erkrankung (Selbstmordgefahr), dem sozialen Umfeld und
der Persönlichkeit des Kranken ab. Für einige Patienten ist die
Krankenhausaufnahme eine Entlastung, für andere eine Belastung mit
Gefahr der Krankheitsverschlimmerung.
Die Therapie von Depressionen stützt
sich auf:
· Antidepressiva zur Akutbehandlung
und als Schutz vor Rückfällen
· Psychotherapeutische Verfahren
· Lichttherapie
· Schlafentzugsbehandlung
· Elektrokrampftherapie.
Antidepressiva
Medikamente, die stimmungsaufhellend und
angstlösend wirken, werden als Antidepressiva bezeichnet. Einige Antidepressiva
wirken darüber hinaus beruhigend, andere antriebssteigernd. Die medikamentöse
Therapie mit Antidepressiva ist in Kombination mit psychotherapeutischen
Verfahren ein sehr wirksames und das bis jetzt am besten belegte Therapieverfahren.
Zu beachten ist, dass Antidepressiva bis mindestens sechs Monate nach Abklingen
der depressiven Phase eingenommen werden müssen, da es sonst zu einem
Rückfall kommen kann. Antidepressiva lassen sich in verschiedenen
Untergruppen einteilen: Trizyklische Antidepressiva, spezifische Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
und sogenannte MAO-Hemmer.
Psychotherapie
Folgende psychotherapeutische Verfahren
können bei der Behandlung von Depressionen zum Einsatz kommen:
Tiefenpsychologisch-psychoanalytische
Psychotherapie (psychodynamische Psychotherapie)
Das Ziel dieser Therapie ist, dem Patienten
innere, unbewusste, oft aus der Kindheit stammende Konflikte verständlich
zu machen. Das Bewusstmachen bzw. Verstehen dieser Konflikte ist die Voraussetzung,
dass der Betroffene diese bewältigt. Außerdem wird eine Stärkung
der Ich-Funktion sowie die soziale Integration des Betroffenen angestrebt.
Der Betroffene sollte bereit sein, sich
mit belastenden emotionalen Lebensereignissen auseinanderzusetzen. Aufgrund
dieser Auseinandersetzung ist es verständlich, dass die Depression
verstärkt werden kann bzw. sich eine nachvollziehbare Traurigkeit
ebenfalls vorübergehend einstellt.
Verhaltenstherapie
Mit der Verhaltenstherapie wird versucht,
krankhafte und unerwünschte Verhaltensweisen abzubauen und gleichzeitig
erwünschte aufzubauen. Durch bestimmte Selbstkontrollverfahren lernt
der Patient, depressive Gedankenabläufe zu unterbrechen. Außerdem
werden Aktivitäten trainiert, die Freude und Erfolgserlebnisse und
damit Selbstsicherheit vermitteln und so dem Wiederauftreten von Depressionen
vorbeugen. Außerdem werden die sozialen Kompetenzen gefördert
sowie die Fähigkeit, Konflikte selbst zu lösen, z.B. durch Rollenspiele.
Kognitive Psychotherapie
Die Therapie basiert auf dem Ansatz, dass
negative, selbstwertende Wahrnehmungs- und Denkweisen die Depression bedingen
und entsprechende Verhaltensweisen nach sich ziehen. Der Therapeut versucht,
die Einschätzung des Patienten bezüglich der eigenen Person,
der Umwelt und der Zukunft zu erfassen und zusammen mit ihm den Realitätsgehalt
der Beurteilungen herauszuarbeiten. Der Betroffene sollte außerdem
Tagesprotokolle führen, in denen er negative Gedanken festhält.
Durch gelenkte Fragen des Therapeuten wird er auf Widersprüche, krankheitsaufrechterhaltendes
Verhalten, gedankliche Verzerrungen, negative Fehlbeurteilungen und Schlußfolgerungen
aufmerksam gemacht.
Wissenschaftliche Studien haben ergeben,
dass die kognitive Therapie bei leichten und mittelschweren Depressionen
den gleichen Effekt wie Antidepressiva hat.
Grundsätzlich ist es wichtig, dass
Familienangehörige mit in die Psychotherapie einbezogen werden. Die
Angehörigen sollten vor allem über das Erscheinungsbild, die
Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose informiert werden. Falls
Ehe- bzw. Familienprobleme das Auftreten der Depression begünstigt
haben sollten, müssen diese auch mit den Angehörigen besprochen
werden.
Lichttherapie
In den letzten Jahren wurde eine saisonale
Häufung von Depressionen ("Winterdepression") beobachtet, bei denen
Licht eine Besserung erbrachte.
Bei der Lichttherapie wird der Patient
bis zu zwei Stunden täglich sehr starkem Licht (mindestens 2000 Lux)
entsprechend ungefähr dem eines hellen Sommertages ausgesetzt (ein
durch normale Glühbirnen heller Raum reicht nicht). Die Behandlung
ist nebenwirkungsfrei und v.a. bei den saisonalen Depressionen wirksam.
Schlafentzug
Im Rahmen der Schlafforschung stellte
man fest, dass die Zeit vom Einschlafen bis zur Rapid-Eye-Movement-Phase
(REM-Phase, Tiefschlaf mit schnellen Augenbewegungen unter den geschlossenen
Lidern) bei Depressiven kürzer als bei Gesunden ist. Diese Phasen
treten zudem häufiger auf als beim Gesunden. Man vermutet, dass während
der REM-Phasen vermehrt Serotonin und andere Botenstoffe verbraucht werden.
Das führt dazu, dass die Betroffenen zu früh aufwachen und zu
diesem Zeitpunkt ihr größtes Tief haben. Durch den Schlafentzug
werden die REM-Phasen reduziert.
Eine durchwachte Nacht kann bei depressiven
Patienten zu einer deutlichen Besserung der depressiven Verstimmung führen.
Es wurde festgestellt, dass der Schlaf am Nachmittag und in der ersten
Nachthälfte - im Gegensatz zu Schlaf am Morgen und in der zweiten
Nachthälfte - die Depression nicht verstärkt.
Beim kompletten Schlafentzug wird der
Patient die ganze Nacht wachgehalten, beim partiellen Schlafentzug wird
er um ein oder zwei Uhr morgens geweckt. Die Behandlung kann nach ca. einer
Woche wiederholt werden und hat keine Nebenwirkungen.
Schon ein kurzer Schlaf während des
Schlafentzugs bzw. am Morgen danach hebt jedoch die Wirkung des ganzen
Schlafentzugs auf. Die Betroffenen sollten daher komplett angezogen bleiben
und sich nicht im Schlafzimmer aufhalten. Ruhepausen auf dem Bett sind
ebenfalls nicht erlaubt.
Elektrokrampftherapie
Die Elektrokrampftherapie wird angewandt
bei schweren Depressionen, die auf andere Therapieverfahren nicht ansprechen.
Die Elektrokrampftherapie ist kein Mittel der ersten Wahl, Vorrang hat
zunächst immer die medikamentöse Behandlung.
Die Anwendung der Elektrokrampftherapie
wird dem Patienten vorgeschlagen, es erfolgt eine genaue Aufklärung
über den Ablauf des Verfahrens. Eine Anwendung gegen den Willen des
Patienten erfolgt nicht. Die Elektrokrampftherapie wird in ca. 6 bis 12
Einzelbehandlungen durchgeführt (ca. 2 bis 3 Einzelbehandlungen pro
Woche). Zu Beginn der Behandlung erhält der Patient eine kurzzeitig
wirkende Vollnarkose durch einen mit anwesenden Anästhesisten: Wenn
diese wirksam ist, wird ein Medikament zur Muskelentspannung verabreicht.
Durch diese Muskelentspannung werden während des eigentlichen Krampfanfalles
Verletzungen sicher vermieden. Der Krampfanfall, der nur einige Sekunden
bis wenige Minuten dauert, wird durch einen niedrigen Spannungs- und Stromimpuls
im Bereich der Schläfenregion ausgelöst. Nach dem Erwachen bemerken
die Patienten oft eine gewisse Müdigkeit und Erschöpfung, ein
leichter Muskelkater kann auftreten. Beeinträchtigungen des Gedächtnisses
werden selten beobachtet und sind auf den Zeitraum von 24 Stunden nach
der Behandlung beschränkt. Langzeitfolgen für das Gedächtnis
sind nicht nachgewiesen.
Verlauf und Prognose
Meist verlaufen Depressionen in Phasen,
die durchschnittlich sechs bis neun Monate dauern können. Diese Phasen
können auch ohne therapeutische Maßnahmen abklingen. Durch die
Einnahme von Antidepressiva in Kombination mit anderen Behandlungsmaßnahmen
werden die Phasen jedoch verkürzt und abgemildert.
Bei zwei Dritteln der Erkrankten heilt
die Phase komplett aus, nur bei einem Drittel tritt eine zeitweise Verbesserung
ein.
Bei der Hälfte aller an Depression
Erkrankten kommt es nach der ersten depressiven Phase zu weiteren. Die
Abstände zwischen den einzelnen Phasen können sehr stark variieren.
Im Durchschnitt liegen sie bei vier bis fünf Jahren.
Das Risiko, eine chronische Depression
zu entwickeln, ist bei älteren Patienten und bei Betroffenen mit genetischer
Vorbelastung, fehlender Unterstützung durch das soziale Umfeld sowie
bei sozialen Anpassungsstörungen erhöht.
Während der depressiven Phase sind
die Betroffenen aufgrund ihres hohen Leidensdruckes selbstmordgefährdet.
Auch besteht die Gefahr, dass sich die Betroffenen durch Selbstmordversuche
so verletzen, dass sie unter den Folgen leiden müssen.
Der Selbstmordversuch ist ein Hilfeschrei
der Betroffenen. Es sollte jedoch nie soweit kommen: Besser ist es immer,
sich jemandem mitzuteilen!
Depressive Phasen können sich auch
mit manischen Phasen abwechseln (Manie). Wenn dieses der Fall ist, spricht
man von einer bipolaren Erkrankung.
Informationen für Bezugspersonen
Versuchen Sie als Bezugsperson, dem Betroffenen
zuzuhören und Verständnis für ihn bzw. seine veränderten
Verhaltensweisen aufzubringen. Auch wenn es manchmal schwierig erscheint,
ist es sehr wichtig, dass Sie eine Gefühlsbindung zu dem Betroffenen
aufbauen und sein Vertrauen gewinnen.
Es hilft ihm außerdem, wenn Sie
ihm erklären, dass seine Symptome zu einem Krankheitsbild gehören,
die durch die Therapie auch wieder verschwinden werden. Die Depression
ist auf keinen Fall ein Ausdruck von Schwäche oder persönlichem
Versagen!
Hilfreich für den Betroffenen ist
es, wenn er selbst beschreibt, wie er sich fühlt. Durch Fragen kann
man ihn motivieren, auch Besserungen wahrzunehmen. Greifen Sie positive
Gedanken des Betroffenen auf. Haben Sie Geduld mit ihm, so dass er sich
nicht unter Druck gesetzt fühlt.
Nehmen Sie Äußerungen des Betroffenen,
die auf einen eventuellen Selbstmord hinweisen, unbedingt ernst. Falls
Sie sich in dieser Situation überfordert fühlen sollten, scheuen
Sie sich nicht, mit dem behandelnden Arzt Rücksprache zu halten.
Wichtig ist, dass der Betroffene im akuten
Stadium entlastet wird, da Depressive nur unter großer Anspannung
und für kurze Zeiträume äußeren Anforderungen gerecht
werden können. Eine Überforderung bestätigt die Patienten
in ihrer negativen Selbstwahrnehmung. Aufforderungen zum "Sich-Zusammenreißen"
und "positiv Denken" sind absolut fehl am Platz.
Andererseits ist zu starker Rückzug
auch problematisch. Daher sollten so bald wie möglich aktivierende
Maßnahmen einsetzen, die die Patienten nicht überfordern und
ihnen genug Rückzugsmöglichkeiten gestatten.
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