Glücksforschung & Poetisches
 
Was ist Glück? Mit dieser Frage beschäftigen sich Philosophen, Verhaltensforscher, Theologen und Biochemiker. Eigentlich ist jedoch jeder Mensch bewusst und unbewusst auf der "Suche nach dem Glück". Das Glück ist Ziel jeden menschlichen Strebens und Handelns, das heißt vom Glück sind alle Menschen angesprochen, insofern es eine jeden in irgendeiner Weise betreffende Sehnsucht zum Ausdruck bringt und mit Sinnerfüllung des Lebens assoziiert wird. Insofern kann Glück als das "höchste Gut" gelten.

 



 
Was ist Glück? - Bemerkenswertes aus der Glücksforschung


Das sagt das Lexikon:
Glück ist die komplexe Erfahrung der Freude angesichts der Erfüllung von Hoffnungen, Wünschen, Erwartungen, des Eintretens positiver Ereignisse, Eins-sein des Menschen mit sich und dem von ihm Erlebten. Glück beinhaltet sowohl günstige Fügung der Geschehnisse, des Schicksals ("Glück haben") als auch den Zustand des Wohlbefindens, der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben ("glücklich sein"). In dieser Vielschichtigkeit ist Glück ein zentraler Begriff in Philosophie, Psychologie und Theologie sowie im sozioökonomischen Bereich.
 

Die wissenschaftliche, medizinische Forschung

Forschungsergebnisse belegen, dass "das Glück" im Kopf ist - und viel weniger von äußeren Umständen abhängig ist, als man glaubt. Es ist, wie Seneca sagte: "In den Himmel springen, das kann man auch aus dem dunkelsten Winkel". Das Glück ist im Kopf:
 

1) Chemie im Gehirn
Biochemische Forschungen der letzten Jahre ergeben, dass das Glücksgefühl auf einem chemischen Prozeß im Gehirn beruht. Bestimmte Moleküle, unter tausend anderen auch die Endorphine, werden durch bestimmte Reize ausgeschüttet und von den Rezeptoren aufgenommen. Sie lösen das Glücksgefühl aus. Ihre Halbwertszeit beträgt nur etwa fünf Minuten, darum ist das Glück leider nur ein so flüchtiges Phänomen.

Glück und Unglück sind nicht von Dauer. Die chemischen Substanzen im Hirn, die uns ein Hochgefühl geben, werden im gesunden Menschen schnell wieder abgebaut, wir können uns nicht lange freuen, nicht lange trauern, nicht lange Angst haben. Das Gehirn tut alles, um schnell wieder in den Zustand der Normalität zurückzukommen.

Die heute biochemisch orientierte Glücksforschung bestätigt, dass der Mensch Momente des Glücks bisweilen bei einer Tätigkeit empfindet, die ein hohes Maß an selbstvergessener Konzentration erfordert, einer Tätigkeit, die bei ihm das Gefühl erweckt, dass er die damit verbundenen Probleme überblickt und im Griff hat, die ihm seine Kompetenz bestätigt, eine Tätigkeit also, die er gut beherrscht und gerne und in Freiheit ausübt. Voraussetzung Glück zu haben, Glück zu empfinden und das Glück zu genießen ist jedoch Gesundheit des Geistes. Der Stoffwechsel im Gehirn muss sich im biochemischen Gleichgewicht befinden. Bei einer Manie, Depression oder ähnlichen Stoffwechselstörung ist diese Voraussetzung nicht gegeben.

2) Gedanken im Gehirn

Der Mensch konstruiert seine Wirklichkeit selbst im Kopf, das heißt, Glück ist nicht nur seine Erfindung, sondern auch seine Entscheidung. Das glückliche Gelingen durch Umstände, auf die wir nicht einwirken können, nennen wir Glück, ebenso das Glücksgefühl, das es auslöst. Das ist die objektive Seite des Glücks. Aber um Glück zu empfinden, muss der Beglückte dazu in der Lage sein, dem Glück geduldig die Hand hinzuhalten, damit es sich wie ein scheuer Vogel darauf niederlassen kann, er muss bereit sein, was ihm begegnet als Glück zu interpretieren. Das ist die subjektive Seite des Glücks. Hans im Glück im Grimmschen Märchen ist ein Beispiel dafür, er interpretiert seine horrenden Verluste konsequent positiv und bleibt glücklich.

 


 
Die Philosophie
Während die archaische Ethik Glücksvorstellungen lediglich auf äußere Glücksgüter (materieller Reichtum, Prestige, Macht u. a.) bezieht, zeigt sich bereits bei den vorsokratischen Philosophen eine Verinnerlichung oder Vergeistigung des Glücksideals. Glück ist nun etwas, das auf die innere Verfassung, auf Seele, Vernunft und Moralität des Menschen gerichtet ist.

Die heute in den Industriegesellschaften vorherrschende Ansicht von der Herstellbarkeit von Glück, das meist mit dem Besitz von Glücksgütern gleich gesetzt wird, und der damit verbundene Glücksanspruch provozieren die Frage nach der Bestimmbarkeit und Erreichbarkeit von Glück bzw. eines "glücklichen Lebens".

Die bei den Vorsokratikern erkennbare Tendenz, Glück als ein ethisches Phänomen zu behandeln, wird von Platon weitergeführt, insofern er Glück in unmittelbaren Bezug zur Idee des Guten setzt. Das wahre Glück ist transzendent, seine Erkenntnis setzt Weisheit und Tugend voraus und ist nur dem philosophierenden Menschen möglich. Damit hat Platon einen rein philosoph. Begriff von Glück geschaffen, der in dem, was "die Vielen" für Glück halten ("Schein" statt "Idee"), keinen Ansatz hat.

Für Aristoteles bleibt der Mensch zwar dem Schicksal ausgesetzt, doch ist er imstande, sein Leben in Tugend und Tüchtigkeit zu gestalten und so Glück zu erlangen, das immer auf das Zusammenleben der Menschen im Rahmen der Polis und auch auf äußere Güte bezogen ist.

Im Zusammenhang mit dem Niedergang der Polis und der bürgerlichen Freiheit betrachtet die Stoa das Glück erneut als ein nur für den Weisen realisierbares individuelles Gut, das ähnlich wie bei Platon vornehmlich durch philosophisch-wissenschaftliche Einsicht zu erlangen ist sowie durch die Apathie, d. h. das Freisein von Affekten. Glück ist hier das Gelingen des Lebens in der Übereinstimmung des Menschen mit sich selbst, die als Übereinstimmung mit der Natur (d. h. mit der Weltordnung und Gott) begriffen wird.

 


 

Das philosophische Glaubensbekenntnis des Aristoteles
"Die Energie des Geistes ist Leben, das Leben des Geistes ist Glück." Dieser Satz setzt einen engen Zusammenhang zwischen Geist und Leben, Tun und Glück. Leben ist alles: Seele, Energie, Können und Tun. Die Energie des Geistes ist Glück. Glück ist Leben.
 

 
Religionsgeschichte
In frühen Religionen herrscht die Vorstellung vor, dass Glück in Form von Glücksgütern von einer unpersönlich oder persönlich (Glücksgötter) gedachten Schicksalsmacht verliehen wird. Oft ist die Glückserwartung unlösbar mit der Gesellschaft, der Sippe verknüpft (z. B. bei den Germanen), deren Repräsentanten eine magische Kraft zur Glücksvermittlung zugeschrieben wird (Heilbringer). Es existiert aber auch die Vorstellung von einer Schicksalsmacht, die neben den Göttern die Geschicke bestimmt (z. B. die griech. Tyche oder Moira, die röm. Fortuna). Insofern im religiösen Denken der Glaube an ein Leben nach dem Tod vorhanden ist, hat auch die Glücksauffassung eine eschatologisch, d.h. eine die "letzten Dinge" betreffende Komponente. Auch aus diesem Grund ist der Mensch bemüht, sich durch Einhaltung ritueller Vorschriften, Gebet, Opfer u. a. die Götter bzw. Gott gnädig zu stimmen. Kultisch richtiges Verhalten gewährt aber im Rahmen der Heilszusagen ebenso irdisches Glück. Inbegriff des Glücks im A. T. ist der Bund,
d.h. die Gemeinschaft zwischen Gott und Volk. Das Neue Testament sieht im Bund, in der Gemeinschaft des Einzelnen mit Gott das höchste Gut. Das Erreichen dieses höchsten eschatologischen Glücks schließt jedoch die Möglichkeit der Abwesenheit von irdischen Glück ein (z.B. Leid, Kreuz). Die meist anzutreffende Verknüpfung von Schicksal mit Glück ist im Christentum aufgrund des Glaubens an einen göttlichen Heilsplan unmöglich. Die Erfüllung der Glückserwartung in der eschatologischen Gottesnähe (Gottesschau, in der Mystik) findet ihren bildhaften Ausdruck in der Paradiesvorstellung. Auch der Islam kennt das Glück eines seligen Lebens, das den Gläubigen nach dem Jüngsten Gericht im Paradies erwartet. Im Buddhismus kann das von ihm als letztes Erlösungsziel angestrebte Nirvana im Sinn von Glück als höchstes Ziel verstanden werden, auch wenn sich das Nirvana erst in der Überwindung aller Faktoren, die das Dasein bedingen, realisiert.
 

 
Psychologische und soziologische Aspekte
Eine psychologische Definition von Glück bietet Sigmund Freud, indem er von einer Befriedigung des Luststrebens spricht, die jedoch aufgrund der restriktiven kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen zum Zweck kollektiver Selbsterhaltung nie erreicht werden kann. In der Sozial- und Persönlichkeitspsychologie wird die Frage des Glücks unter dem Aspekt der Positiverfahrungen untersucht und steht im Zentrum von empirischen Studien und Erklärungsmodellen. Das Homöostasemodell z. B. geht davon aus, dass jeder Organismus einen als angenehm erlebten Gleichgewichtszustand herzustellen und zu erhalten strebt. Andere Theorien sehen Zufriedenheit auf kognitiver Ebene als Übereinstimmung der subjektiven Wahrnehmungen und Umwelterfahrungen mit den eigenen Erwartungen, Vorstellungs- und Denkmustern.

Eine Fülle wissenschaftliche und technische Errungenschaften zur Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen, die frühere Jahrhunderte mit dem
"Glück" identifizierten, haben die Suche nach dem Glück nicht aufgehoben, sondern nur verlagert. Eine Wertbesetzung äußerer Güter wird durch die Werbung vollzogen und durch die Absatzindustrie gefördert. Unmittelbare Erfahrungsverluste des Einzelnen in seiner Umwelt fördern den Drang nach Konsum von Gütern, um die damit suggerierte eigene Individualität und Einzigartigkeit als "Glück" zu erleben. Medienkonsum, Rauschmittel, Glücksspiele, Selbstentäußerung in religiösen Sekten, Nachahmung originell erscheinender Handlungsmuster sind Glückssurrogate zur Kompensation der Sinnentleertheit des eigenen Lebens. Möglichkeiten, Glück wieder erfahrbar zu machen, werden z. B. gesehen in der Reflexion der eigenen Glücksvorstellungen, kreativer Tätigkeit, Schulung der Sinne durch Beobachtung und Umgang mit der Natur, Konzentration auf den Augenblick und das Detail des Erlebens der menschlichen Begegnung und des Tätigseins.

 



 
 
 Poetisches und Sinnreiches


 

Allzeit fröhlich ist gefährlich, allzeit traurig ist beschwerlich.
Allzeit glücklich ist betrüglich, eins ums andre ist vergnüglich.
 

Alle Weisheitsliebe und Wahrheitssuche
beginnt mit dem Staunen über das So-Sein der Dinge.
Über die staunende Bewunderung und Ehrfurcht gegenüber
den Wundern der Schöpfung gelangt man zur Erkenntnis.
 

Die Wahrheit ist, dass alle Kraft und Hilfe von innen kommt, nicht von aussen.
Äussere Hilfen beseitigen bestenfalls Symptome, während die Hilfe von innen
die Ursachen der Unzulänglichkeiten und Leiden abstellt.
 

Dankbarkeit für die Vergangenheit,
Freude an der Gegenwart
und Hoffnung für die Zukunft
und das im selben Augenblick!
Man ist der glücklichste Mensch der Welt!
 
 

Reich bin ich, wenn ich über drei Dinge verfüge:
die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
 
 

IN FREUDEN TRÄUMT EIN MENSCH DURCHS LEBEN -
BEGINNT ERST IN TRAURIGKEIT NACH FREUDEN ZU STREBEN.