zurück zur Homepage    Forschung aktuell


 
 

Ausdauertraining vermindert deutlich Angst- und Panikattacken

Mit Ausdauersport können Patienten mit Panikstörungen beinahe ebenso wirksam behandelt werden wie mit der etablierten antidepressiven Therapie. Dies ist das Ergebnis einer Studie, für die der Sportmediziner Dr. Tim Meyer beim 35. Sport- ärztekongress in Tübingen den Arno-Arnold-Preis der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin erhalten hat.

An Panikstörungen leiden genauso viele Menschen wie am insulinpflichtigen Diabetes mellitus. Dennoch stehe diese Erkrankung in der Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Wissenschaft oft hintan, sagte Meyer, Mitarbeiter am Institut für Sportmedizin der Universität Saarbrücken, in einem Gespräch zur "Ärzte Zeitung". Ein Grund mag sein, dass sich die Patienten wegen ihrer Symptome - mit Herzrasen, Atemnot und Schwindel einhergehende Panikattacken – immer mehr zurückziehen. In der Behandlung hat sich das Antidepressivum Clomipramin bewährt. Doch da die Patienten meist jung sind, ist eine Langzeitmedikation unvermeidlich. Eine Alternative wäre deshalb wünschenswert.

So entstand die Idee, den Patienten ein Ausdauertraining anzubieten. Denn da viele kaum noch das Haus verlassen, geschweige denn Sport treiben, sind sie völlig untrainiert, und daher beschleunigen sich schon bei geringen Anlässen Atmung und Herzfrequenz unverhältnismäßig, so eine Vermutung von Meyer und seinem Mitarbeiter, dem Göttinger Psychiater Dr. Andreas Broocks. Wenn die Patientenkörperlich leistungsfähiger wären, könnten sie Panikattacken besser vermeiden, weil sie auf die Auslöser nicht so stark reagieren. Beim Ausdauertraining erlebten sie erstmals, dass es nicht krankhaft sein muss, wenn sich die Herzfrequenz erhöht , berichtete Meyer.

Tatsächlich ergab der Anfangstest auf dem Fahrradergometer, dass die Studienteilnehmer völlig untrainiert waren. Die insgesamt 45 Personen wurden in drei Gruppen aufgeteilt: 15 Patienten bekamen nur das Antidepressivum, 15 nur Placebo und 15 absolvierten nur das Ausdauertraining. Dabei lautete die Vorgabe: eine Viertelstunde Aufwärm- und Dehnübungen, ein Dreiviertelstunde laufen so lange wie möglich, sonst gehen. Die Ergebnisse wurden mit verschiedenen Fragebögen erfasst.

Nach zehn Wochen hatte sich das Krankheitsbild bei Patienten der Medikamenten- und der Laufgruppe etwa gleich gut gebessert, und zwar signifikant im Vergleich mit dem der Angehörigen der Placebogruppe.

Zum Beispiel war die Zahl der Panikattacken und die Depressivität, die oft mit Panikattacken einhergeht, zurückgegangen, die Patienten nahmen mehr am sozialen Leben teil, und vor allem hatte die Angst vor der nächsten Attacke abgenommen. Gebessert hatte sich auch die körperliche Leistungsfähigkeit.

Doch da die Krankheit nach zehn Wochen nicht bewältigt ist, haben Meyer und Broocks in Abständen von einem Jahr und zwei Jahren Nachkontrollen geplant. Daher haben sie die Patienten angewiesen, das Training selbst in die Hand zu nehmen. Es sei im Sinne der Therapie, dass sie in der Lage seien, selbständig mit ihrer Krankheit umzugehen, sagte Meyer. Bis jetzt, so der vorläufige Eindruck, sei die Motivation zum Training überwiegend gut.
 

zurück zur Homepage