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Johanniskraut hochdosiert hilft 80 Prozent der Patienten mit leichter und mittelschwerer Depression

Frankfurt am Main (hae). Bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden wirkt hochdosierter Johanniskraut-Extrakt einmal täglich oft schon ausreichend antidepressiv. Unter einer mehrmonatigen Therapie mit einmal täglich 600 mg Johanniskraut-Extrakt nahm nach sieben Wochen der Schweregrad der depressiven Störung bei über 80 Prozent der so behandelten Patienten deutlich ab. Voraussetzung für die Effizienz dieser sehr gut verträglichen Therapie ist allerdings, dass der verwendete Hypericum-Extrakt einen hohen und vor allem konstanten Gehalt des bisher am besten pharmakologisch untersuchten Hauptwirkstoffes Hyperforin enthält.

Das ist das Ergebnis einer Studie und von pharmakologischen Analysen, die Experten jetzt in Frankfurt am Main bei einer Veranstaltung des Karlsruher Unternehmens Dr. Willmar Schwabe vorstellten. In einer offenen Anwendungsbeobachtung bei insgesamt 2166 Patienten aus 446 allgemeinärztlichen, neurologischen und psychiatrischen Praxen wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von zwei Dosierungen des Johanniskraut-Extrakts untersucht, wie der Wiener Psychiater Professor Siegfried Kasper berichtet hat. Die Patienten erhielten nach Maßgabe ihres Arztes entweder einmal oder zweimal täglich je eine Filmtablette mit jeweils 600 mg Johanniskrautextrakt WS 5572 (Neuroplant®).

Am Ende des Therapiezyklus beurteilten die behandelnden Ärzte nach der CGI-Skala (Clinical Global Impression) den Schweregrad der Depression. Nach sieben Wochen war bei 84 Prozent der Patienten unter 600 mg und bei 89 Prozent unter der doppelten Dosis der Schweregrad der Depression von mäßig oder schwer um eine oder mehr Stufen abgefallen. Dies deckte sich mit der Selbsteinschätzung der Symptombesserung durch die Patienten.
Die Verträglichkeit beider Dosierungen bewerteten die Ärzte zu 99 Prozent als sehr gut oder gut. Die mit der täglichen Einmaldosis erzielten Resultate entsprachen den Ergebnissen der bislang verwendeten Dosierung von dreimal 300 Milligramm täglich. Mit der einmal täglichen Dosierung lässt sich die Compliance der Patienten deutlich steigern, sagte Kasper.

Besonders bei Patienten mit mittelschwerer Depression oder unvollständigem Ansprechen biete zudem die Dosissteigerung auf zweimal 600 mg täglich eine zusätzliche Wirksamkeitsreserve. Dass die Auswahl des Johanniskraut-Präparates jedoch entscheidend ist, belegt eine Analyse des Frankfurter Pharmazeuten Professor Manfred Schubert-Zsilavecz. Danach enthalten unterschiedliche Chargen vieler Johanniskrautpräparate extrem unterschiedliche - und meist zu geringe - Mengen an Hyperforin: Von elf untersuchten Handelspräparaten enthielten nur zwei, darunter der Extrakt WS 5572, ausreichende und über alle fünf untersuchten Chargen annähernd konstante Mengen dieser wichtigen antidepressiven Komponente. Die bei einzelnen Präparaten gefundenen Standardabweichungen von bis zu 70 Prozent von den Mittelwerten bedeuten eine fehlende Konformität der Herstellungschargen und garantieren auch keine wirksame Therapie, warnte Schubert-Zsilavecz.
 

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