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Ärzte Zeitung, 21.06.2001
 

Zum 21. Juni, dem Tag des Schlafes, können sich Interessierte im Internet informieren unter www.tag-des-schlafes.de Informationsmaterialien können auch angefordert werden unter: Tag des Schlafes, Postfach, 10491 Berlin.
 

Schlaf macht schön und auch noch schlau

MÜNCHEN (bwa). Damit Schlaf der Erholung und der sprichwörtlichen Schönheit dient, setzt er, gesteuert durch die vermehrte Melatoninproduktion, eine spezifische Hormonausschüttung in Gang. Ein erhöhter Spiegel an Wachstumshormonen während der Tiefschlafphase in der ersten Nachthälfte bewirkt eine Regeneration und Erneuerung von Körperzellen. Gleichzeitig blockiert das Wachstumshormon den Anstieg des Cortisols. Die Reduktion des Stresshormons in dieser Zeit bewirkt, dass sich Erlebtes und Gelerntes festsetzen kann. Dies bedeutet, dass ein Lerneffekt dann am größten ist, wenn nach intensivem Lernen ausreichend geschlafen wird. Die immunologische Gedächtnisbildung funktioniert am besten, wenn nach einer Infektion der Körper ausreichend Schlaf erhält. Für die emotionale Verarbeitung von Geschehnissen tagsüber in den REM-Phasen der zweiten Nachthälfte ist dann wieder ein rechtzeitiger Anstieg des Cortisols notwendig.
 
 

Eins steht fest: Zu wenig Schlaf macht alt

MÜNCHEN (bwa). Eine durchwachte Nacht stecken viele Menschen problemlos weg. Chronischer Schlafmangel dagegen ist auf Dauer gesundheitsschädlich.
Dies ist etwa durch eine Untersuchung von Forschern der Universität in Chicago belegt worden, die 1999 in der Zeitschrift "Lancet" veröffentlicht worden ist.
Bei jungen gesunden Männern wurde im Schlaflabor mit vier Stunden Schlaf ein Schlafdefizit provoziert. Nach schon einer Woche hatte sich der Kohlenhydrat-Stoffwechsel verschlechtert, die Konzentrationen von Glukose und Cortisol waren erhöht. Damit stieg die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht, Diabetes mellitus und Hypertonie. "Zu wenig Schlaf macht alt," hat Professor Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum an der Psychiatrischen Klinik der Universität Regensburg die Studienergebnisse kürzlich bei einem Pressegespräch in München zum Tag des Schlafes zusammengefaßt.

Drastisch hatte bereits 1983 ein Experiment des US-Schlafforschers Allan  Rechtschaffen an Ratten erläutert, wohin andauernder Schlafentzug bei den Tieren führen kann: Nach vier Wochen waren die meisten gestorben. Bei der Suche nach der Todesursache wurde festgestellt: Es bestand ein stark geschwächtes Immunsystem. Die ersten Auswirkungen des herunter-regulierten Immunsystems hatten sich bereits nach zehn Tagen bemerkbar gemacht: Die Ratten hatten zunächst spontan an Gewicht verloren, dann hatten einige Tumoren entwickelt und es war zu verschiedenen Infektionskrankheiten bekommen.

Beim Menschen ist bekannt, dass Schlafstörungen das Verhalten verändern: Ein 24stündiger Schlafentzug entspricht etwa der Wirkung von einem Promille Alkohol.

Die Betroffenen können verschiedene Beeinträchtigungen der Sinnesleistungen wie Gedächtnisstörungen, Seh- und Hörprobleme haben. Ein chronischer Schlafmangel, so Zulley, führe sogar zu psychischen Veränderungen. Er sei mit einem vierfach erhöhtes Risiko für eine Depression assoziiert, mit Gereiztheit und Leistungsverschlechterung. Die Auswirkungen eines chronischen Mangels an Schlafqualität auf die Sicherheit werden ebenfalls unterschätzt, warnte Zulley. So ist nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie Schläfrigkeit mit 15 bis 20 Prozent die häufigste Unfallursache im Transportwesen und übertrifft damit zahlenmäßig die durch Alkohol und Drogen ausgelösten Unfälle.
 
 

Sich lange im Bett wälzen kann zu Schlafstörungen führen
 

MÜNCHEN (bwa). Nur fünf Stunden Tiefschlaf reichen aus, damit wir am nächsten Morgen fit und erholt sind. Der Schlaf sollte allerdings vor drei Uhr nachts beginnen. Wichtig ist auch eine kleine Siesta gegen 13 oder 14 Uhr.
Dies erklärte Professor Jürgen Zulley, vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg auf der Veranstaltung "Mobil und ausgeschlafen? Gesunder Schlaf in unserer Leistungsgesellschaft".

"Da man in Deutschland durchschnittlich von 23.04 bis 6.18 Uhr schläft und etwa 15 Minuten zum Einschlafen braucht, würde diese Zeit theoretisch einen erholsamen Schlaf sicherstellen", so Zulley. Dennoch berichtet er von einer Zunahme der Anzahl von Schlafstörungen und warnt: Jeder zehnte leidet unter ernstzunehmenden Schlafstörungen.

Psychophysiologische Insomnie ist häufigste Schlafstörung
Eine kürzlich vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und der Technischen Universität Dresden vorgenommene Stichprobe an etwa 20 000 Patienten in 539 deutschen Allgemeinarztpraxen hat sogar ergeben, dass 42 Prozent der Patienten an Schlafstörungen litten.

Nach Angaben von Zulley ist die "psychophysiologische Insomnie" die häufigste Form der insgesamt 80 verschiedenen Schlafstörungen. Sie wird auch als "konditionierte Insomnie" bezeichnet, da sie ursprünglich als Reaktion auf eine akute oder chronische Belastung entstanden ist, sich dann aber verselbständigt hat. Die Ursache der Belastung geht oft mit einer unzureichenden Stressbewältigungs- und Problemlösekapazität einher. So wirken sich ein tagsüber empfundener Zeit- und Leistungsdruck, sowie ungelöste Probleme auf die Einschlaf- und Durchschlaffähigkeit aus.
Ein erholsamer Schlaf ist demnach immer auch mit einem Stressmanagement während des Tages, sowie mit Techniken des Abschaltens verbunden. Als kontraproduktiv beschreibt Zulley die Versuche, den Schlaf durch ein längeres Liegenbleiben zu verbessern. Länger im Bett zu liegen, könne sogar Schlafstörungen auslösen. Zu einer modernen Therapie gehöre vielmehr die Schlafrestriktion, da man so lernt, effektiver zu schlafen. Sich schlaflos im Bett zu wälzen, provoziere beunruhigende Gedanken und sporne auch die körperliche Unruhe an, erläuterte Zulley auf der Veranstaltung in München.

Entscheidend ist Schlaftiefe, nicht die Schlafdauer

Entscheidend sei auch nicht die Schlafdauer sondern die Schlaftiefe und das individuelle Schlafbedürfnis. Der Schlaf sei dann am tiefsten, wenn er sich nach unserer "inneren Uhr" richtet, so Zulley. Gemäß dem vom Melatonin bestimmten zirkadianen Rhythmus befindet sich ein biologisches absolutes Tief gegen drei Uhr nachts, verbunden mit einer Abkühlung der Körpertemperatur. Ein weiteres ähnliches Tief gibt es am frühen Nachmittag gegen 14 Uhr.

Kleinere Zwischentiefs gibt es nach 9 Uhr und 17 Uhr. Dies hängen mit einem zwar belegten, aber noch nicht erforschten Biorhythmus zusammen. In diesen Zeiten, vor allem während des Nachts- und Mittagstiefs ist unsere Schlafbereitschaft am größten, wobei sich der Schlaf dem biologischen Rhythmus anpasst und nicht umgekehrt.



 
 

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